Zukunft Zahnerhaltung: Jubiläumstagung bringt Wissenschaft und Praxis am UKHD zusammen

02.10.2026 Heidelberg Was Wissen Schafft

Im Fokus standen u.a. auch Fragen, die gesellschaftlich von großer Bedeutung sind, z.B. der Einfluss der Ernährung auf Entzündungsprozesse im Mund sowie die Auswirkungen von Zuckerersatzstoffen auf die Mund- und Allgemeingesundheit

Die Mundgesundheit zu bewahren und die eigenen Zähne möglichst lange gesund und funktionsfähig zu erhalten, ist das Ziel der Zahnerhaltung. Wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen und im Behandlungsalltag umgesetzt werden können, diskutierten Zahnärztinnen und Zahnärzte, Forschende und Studierende bei der 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) am Universitätsklinikum Heidelberg. Unter dem Motto „Zukunft Zahnerhaltung – Wissen und Praxis Hand in Hand“ verband die Jubiläumstagung wissenschaftliche Vorträge mit klinischen Falldiskussionen und praktischen Kursen.

Die Tagungspräsidentschaft übernahmen Professorin Dr. Diana Wolff, Ärztliche Direktorin der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Studiendekanin Zahnmedizin, und Professorin Dr. Cornelia Frese, Leitende Oberärztin der Poliklinik. Ihr besonderes Anliegen war es, den Austausch zwischen universitärer Forschung und zahnärztlicher Praxis zu fördern und konkrete Impulse für die Patientenversorgung zu geben.

Hauptprogramm mit dem „Tag der Wissenschaft“ und Falldiskussionen

Den Auftakt bildete am Donnerstag der von der Fachgesellschaft etablierte „Tag der Wissenschaft“. Hier präsentierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse und stellten sie zur Diskussion. Der lebhafte, kritische und zugleich kollegiale Austausch mit erfahrenen Forschenden machte deutlich, wie wertvoll dieses Forum für die nächste Generation des Fachs ist.

Ein besonderes Format des Hauptprogramms waren die kontroversen Falldiskussionen: Anhand konkreter Behandlungssituationen stellten Expertinnen und Experten unterschiedliche Therapiewege gegenüber und erörterten deren Möglichkeiten und Grenzen. Die Themen reichten von neuen, weniger invasiven Verfahren zur Behandlung tiefer Karies bis zur komplexen ästhetischen Versorgung von Frontzähnen bei starken Verfärbungen und Zahnfleischrückgang. Ergänzende praktische Kurse boten Gelegenheit, Behandlungstechniken unmittelbar zu erproben.

Im Fokus: Fragen von gesellschaftlich großer Bedeutung

Darüber hinaus griff das Hauptprogramm Fragen auf, die auch gesellschaftlich von großer Bedeutung sind. Dazu gehörten die Einflüsse der Ernährung auf Entzündungsprozesse im Mund und die Mundgesundheit sowie die kontrovers diskutierten Auswirkungen von Zuckerersatzstoffen auf die Mund- und Allgemeingesundheit. Auch die Umweltverträglichkeit zahnmedizinischer Materialien wurde beleuchtet, unter anderem im Hinblick auf Mikroplastik und Nanobestandteile.

Festvortrag von Professorin Dr. Hannah Monyer, Ärztliche Direktorin der Abteilung Klinische Neurobiologie

Einen Blick über die Zahnmedizin hinaus eröffnete Professorin Dr. Hannah Monyer, Ärztliche Direktorin der Abteilung Klinische Neurobiologie am UKHD. Ihr Festvortrag „Erinnern und Vergessen: Wie wir Erinnerungen konstruieren und überschreiben“ nahm das Auditorium mit auf eine faszinierende Reise in die Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses. Anschaulich, kurzweilig und humorvoll vermittelte sie, wie Erinnerungen entstehen und sich verändern – ein besonderer Abschluss des wissenschaftlichen Programms am Freitag.

Am Samstag diskutierten Professor Christoph Benz, ehemaliger Präsident der Bundeszahnärztekammer, Professor emeritus Reinhard Hickel, ehemaliger Dekan der Medizinischen Fakultät der LMU München, und Clinician Scientist und Junior-Spezialistin Dr. Ella Ohlsson in einer Panel-Diskussion über die Zukunft der Zahnerhaltung: Was müssen unsere Hochschulabsolventinnen für Ihren späteren Berufsalltag lernen, wie beeinflusst der technologische Fortschritt und KI die zahnärztliche Praxis und wo liegen ökonomische Fehlanreize im System? Schließlich waren sich alle einig, dass sich der Erfolg unseres Faches daran bemisst, wie mundgesund die Menschen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten sein werden.

Großer Dank gilt den Mitarbeitenden der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und allen, die vor und hinter den Kulissen zum Gelingender Jahrestagung beigetragen haben

Besonders in Erinnerung bleiben der Tagungspräsidentin die offene Gesprächsatmosphäre und das herzliche, kollegiale Miteinander. Das Heidelberger Organisationsteam trug mit Begeisterung, großem Engagement und tatkräftiger Zusammenarbeit wesentlich zum Erfolg der Tagung bei. Ihr besonderer Dank gilt deshalb den Mitarbeitenden der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und allen, die vor und hinter den Kulissen zum Gelingen beigetragen haben.

Einen stimmungsvollen Höhepunkt bildete der Gesellschaftsabend in der JIL Rooftop Bar. Bei spätsommerlichen Temperaturen, gutem Essen und Getränken genossen die Teilnehmenden den Blick auf das beleuchtete Heidelberger Schloss. Abseits der Vorträge und Diskussionen bot der Abend viel Raum für persönliche Begegnungen. Heidelberg werde in Erinnerung bleiben – diese Rückmeldung vieler Kolleginnen und Kollegen zum Abschied war für das Organisationsteam eine besondere Anerkennung.